Bild: Mara Truog 2015

Bild: Mara Truog 2015

So wirft die Dichterin Leserinnen und Leser in eine produktive Verunsicherung. Diese steigert sich noch, wenn man erfährt, dass Johanna Lier Eindrücke aus vielen Orten verarbeitet: «Ein Buch und so viele Orte. Irak, Syrien, Libanon, Iran und Zürich, und weniger sichtbar auch Nigeria und Bulgarien sind darin vorhanden. Und dies ist in keiner Weise Absicht. Oder ein künstlerisches Konzept. Es ist eher Ausdruck unserer Lebensweise».

Und gerade darum kommen Johanna Liers Verse so menschlich herüber. Zum Beispiel, wenn «the wilder shores of love», der Titel von Lesley Blanchs True-Life Stories über drei Orientfahrerinnen mitten im Alltäglichen auftaucht – wie nebenher als Schlussvers zum Kreisen der Tage: «…auf roten teppichen lichter kreise. voller gäste / voller feiern helle nächte… / …am morgen erwachen. zittern. ein körpergedanke. / hoffnungsfragment… / …erwachen alle gut gelaunt. sonnenlicht. heisse / brötchen. weiche butter. scharfer pfefferminztee / gezuckert… / the wilder shores of love…»

Florian Vetsch

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